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Zunächst als Steinhauer ausgebildet, dann an der Kunstgewerbeschule
Stuttgart eingeschrieben, interessierte sich der junge Beutinger schon
in der Landeshauptstadt und, nach seinem Examen, als Mitarbeiter des
Bildhauers Otto Rieth in Berlin, für Fragen des Bauens, Kunstgewerbes
und Ingenieurwesens.
Er arbeitete als Assistent an der Technischen Hochschule Darmstadt, war
Mitglied des Deutschen Werkbunds und leitete in Wiesbaden 1913 bis 1921
die Kunstgewerbeschule.
Er veröffentlichte wichtige Schriften: 1904 das grundlegende „Handbuch
der Feuerbestattung“, ab 1914 die Zeitschrift „Der Industriebau.
Monatsschrift für die künstlerische und technische Förderung
aller Gebiete industriellen Bauens“ und veröffentlichte Artikel
in „Der Städtische Tiefbau“.
Beutinger schuf mit Aussegnungshalle und dem ersten Krematorium Deutschlands
auf dem Heilbronner Hauptfriedhof 1905 einen tempelartigen Bau, dezent in seiner
unaufdringlichen Moderne.
Er eröffnete 1907 mit seinem Partner Adolf Steiner ein Architekturbüro,
baute im selben Jahr Stallgebäude und Kutscherhaus für den Heilbronner
Fabrikanten Brüggemann in der Lerchenstraße: Deutlich sichtbar hier
die Einflüsse des Berliner Architekten Muthesius. Beutinger konstruierte
1911 Mühle und Verwaltungsbau des Portland-Cementwerks in Lauffen, 1912
das Nettel-Kamerawerk in Heilbronn-Sontheim und 1913 die Karosseriefabrik Barth,
ebenfalls in Sontheim.
Im selben Jahr folgten Böckingens neue Alleenschule, das Ruderschwabenhaus
und 1914 die Ortskrankenkasse an Heilbronns Allee (alle zusammen mit seinem
Partner Adolf Steiner).
Während seine Industriebauten allen Anfoderungen zeitgemäßer
Ingenieurskunst genügen, sind Schul- und Verwaltungsgebäude im besten
Sinn handwerklich gedacht, klassisch proportioniert, überzeugen durch
phantasievolle Details ohne überflüssiges Dekor. Sie erinnern damit
an die Arbeit des Doyens der Stuttgarter Architektur dieser Zeit, Theodor Fischer,
der ja das Heilbronner Theater von 1913 errichtet hatte. Beutingers und Steiners
zeitgemäßer Stil findet lobende Erwähnung bei Walter Gropius:
Er stellte ihre Maschinenfabrik Kirsch & Mausser in einem Vortrag „Monumentale
Kunst und Industriebau“ 1911 als gutes Beispiel vor. Auch in seiner Zeit
als Oberbürgermeister Heilbronns von 1922 bis 1933 engagierte sich Beutinger
für die weitere Stadtentwicklung: „Längst sind die Fesseln
und Wälle der alten Stadt gesprengt, sie dehnt sich mächtig aus,
schon wachsen Stadt und Umgebung sichtbar zusammen zu einem großen neuen
Wirtschafts- und Stadtgebilde“, propagierte er 1925.
Beutinger wusste, dass Lebensqualität einer Stadt nur in Verbindung von
Zukunft und Vergangenem entsteht. Er kämpfte nicht nur gemeinsam mit dem
Silberfabrikanten und Politiker Peter Bruckmann um den Ausbau des Neckars zur
Großschifffahrtsstraße, sondern engagierte sich auch erfolgreich
für kulturelle Belange. Heilbronns Bürger verdanken ihm die Einrichtung
eines stadtgeschichtlichen Museums 1923, in finanziell sehr beengten Zeiten,
wie auch die Unterstützung von Volkshochschule und Theater.
Nachdem ihn die Nationalsozialisten im April 1933 abgesetzt hatten, zog er
sich ins Privatleben zurück. Seinen Sachverstand schätzte man weiterhin:
1945 rief ihn die US-amerikanische Militärregierung für ein Jahr
ins Amt zurück. Hier organisierte er die Trümmerräumung, die
Versorgung der Bevölkerung mit dem Notwendigsten und kämpfte mit
den Männern der ersten Stunde für einen Wiederaufbau der über
50 Prozent zerstörten Stadt.
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