Hans Herkommer zählte in den Zwanziger- und Dreißigerjahren
neben Dominikus Böhm und Rudolf Schwarz zu den führenden Vertretern
des katholischen Kirchenbaus.
Herkommer schuf in der Mitte der Zwanzigerjahre durch die Einführung flacher
Decken, den Wegfall des Chorbogens sowie durch Verzicht auf Wandgliederung
klare moderne Innenräume. Herkommers Werk bestimmten ungegliederte Wänden,
Flachdächer, das Baumaterial Beton und Konstruktionen mit Stahlskeletten.
Zu seinen frühen Werken gehören das Schwenninger Krematorium, 1925 – 1928
in gemäßigtem Werkbundstil, und 1927 – 29 die katholische
Frauenfriedenskirche in Frankfurt am Main.
St. Antonius in Kaltental, ein kompromissloser Saalbau mit Chorturm, folgte
1932. Die katholische Pfarrkirche St. Cäcilia auf dem Berge in Mosbach
besitzt ein überhöhtes Schiff mit westwerkähnlichem Querhaus
und mächtigem Chorturm. Sie entstand 1935.
Auch Heilbronns katholische St. Augustinus-Kirche von 1926 ist ein typischer
Herkommer-Entwurf. Ein wuchtiger Baukörper mit gotisch anklingenden Spitzzackenfenstern
und einem genauso wuchtigen viereckigen Turm mit schießschartenartigen
Fenstern sprechen die Sprache expressionistischer Architektur. Das Holzlamellengewölbe
im Schiff war das erste seiner Art im deutschen Sakralbau.
„Zweifellos hat ihn von Anfang an der Gedanke beseelt, rein äußerlich
schon einen Komplex zu schaffen, dessen rhythmisch wohl abgewogene Baumassen
ohne nennenswerten Zierrat für sich sprechen“. Damit wurde ein solches
Bauwerk im besten Sinne „modern“, urteilte der Künstler Johann
Paulweber 1929 in der Neckar-Zeitung.
Nach schweren Zerstörungen 1944 baute Hans Herkommer mit seinem Sohn Jörg
die Augustinus-Kirche in den Fünfzigerjahren wieder auf: Mit schlichtem
Satteldach, ohne expressive Giebel und mit weniger kompromisslosen Details.
Auch der neue wuchtige Turm bleibt in kritischer Distanz zum Kirchenschiff.
Weitere Nachkriegswerke sind die Salvatorkirche in Weilimdorf 1955–57
sowie St. Michael in Sillenbuch 1952–53, letztere die erste nennenswerte
katholische Kirche der Nachkriegszeit mit ihrer typischen Interpretation des
frühmittelalterlichen Sakralbaus auf moderne Weise.
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